Seid ihr Hyperlocal?

Irgendwo zwischen regionalem Gemüse und Holzspielzeug taucht seit einiger Zeit der Begriff „hyperlocal“ in den Hitlisten des urbanen Lebens auf. Wir finden, dieser Trend ist eine wirkliche Weiterentwicklung.

Vor allem in den Städten ist deutlich zu spüren, dass sich in unserer globalisierten Welt viele Menschen darauf besinnen, wissen zu wollen, wo das Schnitzel auf dem Teller vor ihnen herkommt. Auch „hyperlocal“ ist Teil dieser Suche nach Orientierung. Wer wohnt da seit zehn Jahren in der Wohnung über mir? Wie oft waren wir in letzter Zeit in einem Restaurant im „räumlich stark begrenzten Umfeld“ anstatt in einen der hippen Großstadtkieze zu fahren?

Foto: flickr.com

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Hyperlokalität richtet sich nicht nur an die Menschen, die an einem bestimmten Ort Leben sondern auch an Fremde. „Denn anders als einst darf diese Loyalität nicht nur mit Heimatgefühl verbunden werden. Auch nicht mit dem überstrapazierten Regio-Faktor oder der verklärten Sehnsucht nach lokalen Produkten“, wie Trendforscherin Anja Kirig in einem Beitrag für das Zukunftsinstitut schreibt. „Hyperlocal ist weniger schwer, weniger politisch, weniger romantisch. Hyperlocal geht tiefer, es ist vielschichtiger und freier.“

Zum anderen steht „hyperlocal“ nicht allein für eine räumliche Konzentration, sondern in seiner Zusammensetzung aus hyperlinking und localization auch für die Vernetzung von Dingen und Objekten, die Verschmelzung von analoger und digitaler Welt. Wir denken an die ferngesteuerte Waschmaschine, das automatisierte Auffüllen des Kühlschranks, die Ortungs-App, die uns zeigt, ob Freund oder Freundin schon auf dem Heimweg sind. Der Trendforscher und Stratege Max Celko vergleicht die Welt im Zeitalter der Hyperlokalität mit einer Website: „Die realen Objekte dienen als ‚Geo-Links‘ , über die wir auf deren virtuelle Schichten zugreifen.“

Auch die neuen Nachbarschaftsplattformen wie nebenan.de begreifen Hyperlokalität im Celko’schen Sinne. Reale Menschen werden mit digitaler Hilfe miteinander vernetzt. Wem mitten im Kuchenbacken das Mehl ausgegangen ist, der muss nicht mehr an jeder einzelnen Tür im Hausflur klingeln, um jemanden zu finden, der helfen kann. Stattdessen hilft die digitale Reichweite dabei, schnell und gezielt herauszufinden, wer helfen kann. Das digitale dient als Katalysator für die nachbarschaftliche Vernetzung statt sie zu ersetzen – und ist damit weder nostalgisch noch kompensatorisch, sondern eine weiterentwickelte Form des Miteinanders. Denn an der Tür des anderen klingeln muss man am Ende glücklicherweise doch noch persönlich.