Sensoren für Senioren

An der Technischen Universität Chemnitz testen Wissenschaftler, wie technische Hilfsmittel das Miteinander zwischen den Menschen schon bald deutlich verbessern können.

Stell dir vor, dein Nachbar kümmert sich ohne großen Aufwand um deinen Briefkasten, wenn du im Urlaub bist – ein Sensor meldet ihm einfach, wann der Kasten voll ist und er ihn zeitnah leeren soll. Oder stell dir vor, ein Smiley an der Haustür deiner betagten Nachbarin zeigt dir an, ob die alte Dame wohlauf ist oder Hilfe benötigt. Solche kleinen digitalen Helfer könnten das nachbarschaftliche Miteinander schon in naher Zukunft positiv verändern. Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz ist aber, dass die Anwendungen punktgenau die Bedürfnisse der Menschen bedienen und barrierefrei anwendbar sein.

Die Forschungsgruppe „Miteinander“ der Technischen Universität Chemnitz – bestehend aus Designern, Ingenieurwissenschaftlern, Informatikern und Soziologen – versucht deshalb zunächst einmal herauszufinden, was die Menschen überhaupt brauchen und wieviel Technik sie im Alltag um sich haben wollen.

Dazu hatten die jungen Wissenschaftler in einem leerstehenden Ladengeschäft in der Chemnitzer Innenstadt ein „Living Lab“ eingerichtet, in dem sie mit mehr als 200 Menschen deren Verhaltensweisen, Ideen und Probleme besprechen und untersuchen konnten.

Das überraschende Ergebnis ist für Soziologe Andreas Bischof, dass die Menschen dem Einsatz von Technik in den eigenen vier Wänden viel weniger kritisch gegenüberstehen, als allgemein behauptet wird. „Die Leute wollen einfach nur die Möglichkeit haben, das Ding auszumachen“, sagt Bischof. Anders gesagt: mach einen leuchtenden Schalter dran und gib der Oma die Möglichkeit, das Ding auf Null zu schalten. Auch die bisherige Technikaffinität sei völlig unerheblich. Wenn man Menschen zeige, wie ein neues Gerät funktioniert, sei es egal, ob sie vorher schon mit einem Computer umgehen konnten oder nicht. Extrem wichtig war für die Befragten allerdings, dass mehr digitale Vernetzung nicht zwangsläufig dazu führen soll, dass sich die persönlichen Kontakte weniger werden.

Als nächstes will das Team in typischen Plattenbauvierteln einfache licht- oder geräuschempfindliche Sensoren verteilen, die vielfältig nutzbar sind und über deren konkreten Einsatz die Leute selbst entscheiden können. Beispielsweise zum Aufhängen am Balkon, um zu beweisen, dass der Nachbar immer bis spät abends grillt oder um den sonnigsten Fleck im Viertel zu finden oder auch um nachzuweisen, dass es wegen der Bushaltestelle vor der Tür regelmäßig sehr laut ist.

Die Idee: herauszufinden, welche Themen die Menschen überhaupt interessieren, also für welche Probleme sie die Sensoren einsetzen würden. Bischof zufolge könnte man Sensoren wie diese schon 2018 auch Leuten und Communities außerhalb der Experimentiergruppe in eben dieser Form zur Verfügung stellen. „Wir sind bei der Entwicklung unserer Prototypen schon sehr an Kosten und Skalierbarkeit interessiert. Wenn wir damit nächstes Jahr rausgehen, wird das auf jeden Fall schon Kleinserienstatus haben.“ Die Frage der Durchsetzbarkeit hänge schlussendlich allerdings von Investoren ab – und vom Bedarf.