Altersfreigabe von Videospielen: Alles, was Eltern wissen sollten

Kind mit Controller, Image by Kelly Sikkema via unsplash.com

Nur weil ein Videospiel oder ein Film ab sechs Jahren freigegeben ist, heißt das nicht automatisch, dass sechs-jährige Kinder sich einen Reim auf sie machen können. So kann es vorkommen, dass das Spiel für sie zu komplex oder schlichtweg unverständlich ist. Allerdings ist dieser Aspekt für die Freiwillige Selbstkontrolle Filmwirtschaft (FSK) oder die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), bei deren Altersfreigabe für Videospielen oder entsprechende Medien nicht entscheidend.

Denn beiden Institutionen geht es bei der Einschätzung, wollte man es auf das Wesentliche reduzieren, nur um die Frage: Ist das Medium in irgendeiner Weise schädlich für ein Kind beziehungsweise einen Jugendlichen? Das bedeutet selbstverständlich auch, dass damit einer pädagogischen Altersempfehlung keine Rechnung getragen wird.

Bevor genauer auf die Altersfreigabe von Videospielen eingegangen wird, sei Folgendes angemerkt: Wer sich ganz allgemein über einen Kinderschutz im Internet informieren möchte, kann hier vorbeischauen. Außerdem gehen wir in einem anderen Artikel gesondert auf die Risiken von sozialen Netzwerken ein. Ferner erklären wir, wie Eltern am besten mit der Social-Media-Nutzung ihrer Kinder umgehen sollten.

Eine Altersfreigabe bei Videospielen ist keine Altersempfehlung

USK-Kennzeichen: Altersfreigabe ab 6 Jahren
USK-Kennzeichnung, Image by StG1990 via wikipedia.org (public domain)

Gleiches gilt im Übrigen auch für die Pan European Game Information, besser bekannt unter dem Akronym PEGI. Auch sie haben es sich auf die Fahne geschrieben, Spiele, Filme, aber beispielsweise auch Apps, danach zu bewerten, ob sie schädlich für Kinder oder Jugendliche sind. Anders als bei den deutschen Institutionen USK und FSK jedoch, sind die von der PEGI vorgebrachten Alterseinstufungen an der Kasse nicht bindend.

Die beiden Institutionen eint allerdings, dass ihre Entscheidungen nicht auf pädagogischen Prinzipien basieren. PEGI hebt auf ihrer Website explizit hervor:

„Das PEGI-System berücksichtigt die Alterseignung eines Spiels, nicht den Schwierigkeitsgrad. Ein PEGI-3-Spiel enthält keine unangemessenen Inhalte, kann aber für jüngere Kinder manchmal zu schwierig zu meistern sein. Umgekehrt gibt es PEGI-18-Spiele, die sehr einfach zu spielen sind, aber dennoch Elemente enthalten, die sie für ein jüngeres Publikum ungeeignet machen.“

Letztendlich geht es den Institutionen also lediglich um die Frage, ob das entsprechende Medium die Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen könnte. Die Alterseinstufungen dienen demnach vor allem Eltern als Orientierungshilfe – und das ist so auch vernünftig. Ob das Spiel letztendlich auch für das Kind geeignet ist, müssen sie und das Kind selbst entscheiden.

Es gibt auch pädagogische Bewertungen von Videospielen

Die USK leistet aber auch dabei Hilfestellung. In ihrem rund 50 Seiten umfassenden „Elternratgeber Computerspiele“ werden Eltern mit ausführlichen Informationen versorgt, um die richtigen Entscheidungen für ihr Kind treffen zu können. Außerdem verweist der Ratgeber auf Websites, die eine pädagogische Einschätzung von Videospielen vornehmen. Genannt werden zum Beispiel www.spielbar.de, www.internet-abc.de oder www.schau-hin.info. Erstgenannte Website ist übrigens eine Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung.

Zudem sollte angemerkt sein, dass die USK dazu verpflichtet ist, nur Spiele zu bewerten, die auf Datenträgern erhältlich sind. Publishern von ausschließlich online verfügbaren Spielen steht es frei, sie der USK zur Prüfung vorzulegen oder nicht.

Altersfreigabe ab 12: USK bewertet endlich „Fortnite“

Genau das war auch der Grund dafür, dass „Fortnite“ erst kürzlich von der USK eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren erhielt. Dabei ist das bei Kindern und Jugendlichen äußerst beliebte Spiel schon seit längerer Zeit verfügbar. Die Einschätzung bezieht sich auf den gesamten Inhalt. Sie umfasst demnach auch die Spielmodi „Save the World“, „Battle Royale“ und „Creative“.

Fortnite, Image by IGDB.com
Image by Epic Games via IGDB.com

Fortnites Beliebtheit speist sich aktuell maßgeblich aus dem Online-Spielmodus „Battle Royale“. Dieser ist allerdings ein reiner Online-Inhalt und wurde nun vom Publisher Epic Games freiwillig der USK vorgelegt. Noch bevor das geschah, wurde Fortnite bereits nach dem System der IARC für die Nintendo Switch ab 16 Jahren freigegeben. Die International Age Rating Coalition testet, anders als die USK, auch Online-Spiele. Die Vertriebsplattform Nintendo Switch hat sich dem IARC-System angeschlossen, weshalb es zuvor bewertet wurde.

Zwei Sichtweisen, zwei Bewertungen

Die USK begründet ihre Entscheidung, das Action-Spiel ab zwölf Jahre freizugeben unter anderem damit: „Das Spiel ist durchzogen von humorvollen Brechungen, die auch zwölf-Jährige bereits dekodieren und entsprechend einordnen können, sodass ein riskanter Transfer der Spielhandlung in die reale Lebenswelt von zwölf-Jährigen nicht zu vermuten ist.“

Spielbar.de hält das Spiel wiederum für Jugendliche ab 14 Jahre „spielbar“ und begründet die pädagogische Einschätzung folgendermaßen: „Battle Royale sieht mit seiner Comic-Grafik und dem Crafting erst einmal harmlos aus, ist aber ohne Zweifel ein Survival-Shooter. Gewalt ist die einzige Möglichkeit zum Erfolg.“

Die Altersfreigabe der USK bietet also eigentlich nur eine erste Orientierung für Eltern. Für mehr Informationen über das Spiel und dessen pädagogische Eignung müssen sie andere Wege gehen. Eine der bereits genannten Websites ist beispielsweise eine gute Möglichkeit. Denn dort werden tatsächliche Altersempfehlungen ausgesprochen. Und das ist, wie deutlich geworden sein sollte, wesentlich wertvoller für Eltern als eine Altersfreigabe. Alternativ können sie sich aber auch selbst, indem sie das Spiel testen oder sich vorab Videos ansehen, einen Eindruck vom Spiel verschaffen.

Image by Kelly Sikkema via unsplash.com

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