Helikopter Eltern – überfürsorglich oder gut fürs Kind?

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Der Begriff „Helikopter Eltern“ löst bei Erziehern und Lehrern blankes Entsetzen aus. Denn während wir in Deutschland im Moment ohnehin zu wenig Lehrer haben und viele überfordert sind mit den überfüllten Klassen, machen auch übervorsichtige und vor allem überfürsorgliche Eltern den Erziehern das Leben schwer. Immer häufiger hört man von Eltern, die gegen die Noten der Schüler klagen. Oder die mit auf Klassenfahrten fahren mussten, weil sich ihr Kind sonst nicht wohlfühlen würde. Doch da hört die Absurdität dieser speziellen Erziehungsform nicht auf. Auch außerhalb der Schule achten Helikopter Eltern stets darauf, dass ihrem Nachwuchs kein Unheil überkommt.

Da wird schon mal der einzige Apfelbaum im Garten gefällt, damit dem Kind kein Apfel auf den Kopf fallen kann. Oder dem Sprössling erlaubt ganze Restaurants zu verwüsten, weil das Kinder nun mal so machen. Auch wenn die meisten bei diesen Geschichten nur mit dem Kopf schütteln können, drängt sich die Frage auf: Was hat es mit diesen Helikopter Eltern auf sich? Und hat ihre Erziehung vielleicht sogar positive Auswirkungen?

Warum gibt es heute so viele Helikopter Eltern?

Dass sich Eltern um ihren Nachwuchs sorgen, ist natürlich nichts Neues und auch nicht verwerflich. Allerdings wird in der Debatte um Helikopter Eltern von Gegner oft das Argument hervorgebracht, früher habe man die Kinder ohne Smartphone einfach nach draußen zum Spielen geschickt. Was heute, laut Helikopter Eltern, nicht mehr möglich sei. Früh morgens ging man mit den Freunden los, spielte den ganzen Tag draußen und kam erst abends spät wieder nach Hause, ohne, dass die Eltern einen Aufstand veranstaltet hätten. Vor einigen Jahrzehnten gab es aber auch das Internet noch nicht.

Einerseits sind wir heute viel öfter umgeben von Nachrichten, in denen Kinder Opfer von Verbrechen sind. Wenn Eltern ständig mit den Gefahren unserer Welt konfrontiert werden, ist die gefühlte Gefahr für den eigenen Nachwuchs natürlich deutlich höher. Dazu kommen aber auch die Gefahren, die direkt von der Internetnutzung der Kinder ausgeht. Viele Eltern sind unsicher, wie sie ihrem Nachwuchs den verantwortungsbewussten Umgang mit Social Media und dem Internet im Allgemeinen nahebringen können.

Als weiteren Grund wird angegeben, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Gerade erfolgreiche Eltern fürchten, ihre Kinder könnten ins Soziale Aus geraten und setzten sich deswegen besonders energisch für die guten Leistungen der Kinder ein.

Helikopter Eltern bekommen Aufwind

Mit dem Buch „How Economics Explain The Way We Raise Our Kids” veröffentlichten mehrere Wissenschaftler aus Yale ein Buch, das den Helikoptereltern Rückenwind gibt. Sie fanden heraus, dass die Kinder deren Eltern sich besonders um ihre Leistungen sorgten, tatsächlich bessere Testergebnisse in der PISA Studie erzielten. Im Vergleich zu Teilnehmern, bei denen der Druck von zu Hause weniger hoch war. Zudem argumentieren die Wissenschaftler, es ginge bei dieser Form der Erziehung nicht darum die Kinder zum Perfektionismus zu erziehen. Oder gar eine autoritäre Erziehung zu verfolgen. Vielmehr sollen die Eltern den Kindern durch positive Anreize verdeutlichen, warum es für sie gut ist, sich im Leben anzustrengen.

Das Spannungsfeld von Leistung und Kindeswohl

Nicht zuletzt wegen der Gefahr, dass Kinder sich von dem Druck gestresst fühlen könnten, stehen Helikopter Eltern aber auch in der Kritik. Erziehungswissenschaftler warnen, dass die Kinder durch die ständige Überbehütung nicht lernen würden, eigenständig mit Problemen umzugehen. Wer seine Kinder immer vor jedem Schaden bewahrt, so warnen sie, könnte letztlich die individuelle Entwicklung und das Selbstbewusstsein des Kindes einschränken.

Gleichzeitig liegt es quasi in der Natur der Kinder selbst, dass sie den Eltern gefallen möchten. Das kann im schlimmsten Fall tatsächlich dazu führen, dass der Nachwuchs das Gefühl bekommt, gute Noten oder „Erfolg“ wären nötig, um die Eltern zufriedenzustellen.

Wie also erziehen?

Letztlich gib es die perfekte Erziehung ohnehin nicht. Sosehr sich Eltern bemühen, auf der einen oder anderen Seite wird es immer Spannungsfelder geben. Wichtig ist, für das Kind da zu sein und Hilfe anzubieten. Aber gleichzeitig eben auch Freiräume zu lassen. Man sollte Kinder natürlich nicht ins offene Messer laufen lassen. Aber ihnen auch nicht alles vorgeben und sie nicht vor jeder Auseinandersetzung beschützen. Wie bei so vielen anderen Dingen im Leben liegt die Antwort für eine gelungene Erziehung irgendwo in der Mitte. Denn auch wenn Helikopter Eltern im Endeffekt nur über das Wohl ihres Kindes besorgt sind, sollten Kinder auch lernen, ihre Kämpfe alleine auszutragen. Und sich in schwierigen Situationen selbst zu helfen.
Um trotz allem gut mit Trotzphasen der Kinder umgehen zu können, empfehlen wir dieses Buch als Unterstützung. (Provisionslink)


Image by Natalya Zaritskaya via Unsplash

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